Rio ruft!

Olympia-Gold für Carina´s Doppelvierer!

„Unsere“ Carina Bär hat es tatsächlich geschafft: Bei den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro gewinnt der deutsche Frauen-Doppelvierer die Goldmedaille in einem spannenden Finallauf der olympischen Ruder-Regatta.

Welch packendes Herzschlag-Finale – spannender kann Rudersport nicht sein! In einem hochdramatischen Wettkampf auf Weltklasse-Niveau konnte das deutsche Damenteam eindrucksvoll demonstrieren, was in ihm steckt. Die Rennstrecke auf der Lagoa Rodrigo de Freitas hatte ihre Tücken, vor allem der starke Wind und die hohen Wellen machten den Ruderinnen zu schaffen. Nachdem sich das deutsche Boot im Vorlauf mit einem souveränen Sieg bei schwierigen Wasserbedingungen direkt für den Finallauf qualifizieren konnte, sollte es am 10. August ums Ganze gehen. Allerdings machte das schlechte Wetter mit Starkregen und Sturm einen Strich durch das Programm, weshalb sich der internationale Ruder-Weltverband FISA entschieden hatte, alle Rennen zu cannceln und erst am Folgetag zu starten. Eine solche Komplett-Verschiebung um einen ganzen Tag gab es in den letzten fünf Olympischen Spielen noch nie  – und für die Ruder-Teams war dies eine Ausnahmesituation, mit der sie erst einmal vor allem mental zurecht kommen mussten.

Das Finale selber bot dann schließlich Action pur und war vom Start bis zum Zieleinlauf wohl kaum an Dramatik zu überbieten. Polen ging das Rennen ungemein schnell an und führte bis zur Hälfte der 2000 m-Distanz klar vor Deutschland und den Niederlanden. Dann kam der unglaublich starke Auftritt des deutschen Teams, das den Abstand zu den Polinnen Meter für Meter verkürzen konnte, dicht gefolgt von den Niederländerinnen. Was dann auf den letzten Metern folgte, war Rudersportfaszination vom Feinsten: In einem unglaublich kraftintensiven, jedoch genau zum richtigen Zeitpunkt begonnenen Endspurt gelang es den deutschen Ruderinnen auf den letzten Metern an Polen vorbeizuziehen und als Erste die Ziellinie in einer Zeit von 6:49,39 Min vor den Niederlanden mit 6:50,33 und schließlich Polen mit 6:50,86 zu überqueren. Olympisches Gold für Annekatrin Thiele, Carina Bär, Julia Lier und Lisa Schmidla im deutschen Damen-Doppelvierer!

Die folgende Schilderung von Carina Bär vermittelt deutlich, unter welch enormer Anspannung unsere Ruder-Athletinnen bei diesem Wettbewerb unter den Besten der Welt standen: „Vor dem Vorlauf war ich sehr nervös und das schlechte Wetter drückte auch auf die Stimmung. Als der Finallauf dann um einen Tag verschoben wurde, war das schon sehr belastend, weil wir ja Jahre lang für dieses Rennen trainiert und darauf hingearbeitet hatten. Ich war allein schon von der Anspannung, die man vor solch einem Finale aufbaut, völlig kaputt. Und genau in dieser schwierigen Phase ist eine Erkältung, die bis dahin minimal war, dann auch noch zusehends schlimmer geworden. Am nächsten Tag konnte ich bei der finalen Rennbesprechung nichts mehr sagen, weil ich heißer war.

Das Finale hatten wir eigentlich anders geplant. Wir wollten niemanden so weit weg lassen – und auch nicht so viele andere Boote auf unserer Höhe haben. Aber wir haben uns vor dem Finalrennen gesagt, dass wir ruhig bleiben und wer bei 1200 Metern noch vor uns ist, muss richtig leiden, wenn er das gewinnen will.

Ja, dass es dann so auch wirklich geklappt hat, war natürlich umso schöner. Wir sind einen starken Endspurt gefahren und die Polinnen hatten sich wohl etwas übernommen. Es war unglaublich und das ist es auch jetzt noch ein bisschen. Unsere Schlagfrau Lisa Schmidla hat einen super Endspurt gefahren.“

In den knapp vier Olympia-Wochen, die Carina Bär in Brasilien war, gab es viel zu erleben und einige Eindrücke – wie die Siegerehrung mit Übergabe der Goldmedaille  oder die große Abschlussfeier mit allen teilnehmenden Nationen – müssen sicher erst noch richtig verarbeitet werden. Allein schon der Aufenthalt im Olympischen Dorf – Carina musste sich ein 8 m2 großes oder besser gesagt kleines Zimmer mit ihrer Sportkameradin teilen – war sehr aufregend und es kamen viele Gespräche mit Sportlerinnen und Sportlern aus aller Herren Länder zustande. Auch die Eltern von Carina und ihr Freund waren in Rio, wo es viel zu sehen gab: den Zuckerhut, die Favelas, die Christo-Statue bei Concorvado, die Sambaschulen und natürlich die weltberühmten Strände wie die Copacabana.

Wie geht es jetzt weiter? Von Pause keine Spur! Nach einer kurzen Erholung von den Strapazen konzentriert sich Carina Bär wieder auf ihr Medizin-Studium in Dortmund.

Seit Anfang 2015 haben wir im Rahmen unserer Förderung von Carina Bär über ihren Weg zu den Olympischen Sommerspielen 2016 berichtet. Mit unserer „Rio ruft“-Aktion durften wir immer wieder hochinteressante Informationen über ihre sportlichen Erfolge ins Netz stellen. An dieser Stelle möchten wir, die Schweitzer-Chemie, unsere allerherzlichsten Glückwünsche an diese überaus sympathische und bestens geerdete Spitzensportlerin aussprechen: „Liebe Carina, wir gratulieren Dir zur Goldmedaille, das hast Du klasse gemacht und dir wirklich verdient!“