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Von Bord gehen: Ein Vierteljahrhundert Vertrauen

Wenn Bernd Schweitzer und Wolfgang Eggerl über ihre Anfangszeit in der Schweitzer-Chemie sprechen, ist es kein Bild, keine Zahl und kein strategischer Meilenstein, die ihnen einfallen. Es ist ein Geräusch. Das leise Surren des Faxgeräts am Abend. Ein Ton, der Stille aufhob und Gewissheit brachte. Wenn er erklang, war klar: Ein neuer Auftrag ist da und es geht weiter.
Dieses Geräusch bedeutete Umsatz, Bestätigung und Richtung zugleich. Prägend neben der Faxmelodie war auch der Geruch von Kaffee. Viel Kaffee. Der Treibstoff der frühen Jahre. Alles rund ums Wasser war das Produkt, Kaffee die Energiequelle.
Von allen mutigen Schritten, die in 25 Jahren Schweitzer-Chemie gewagt wurden, war gleich der Erste der mutigste: Die Gründung. Denn hier ging es nicht nur um das eigene Weiterkommen, sondern um Verantwortung für die 45 Menschen, die voller Zuversicht und Vertrauen mitgegangen sind. In einem Vierteljahr musste damals alles stehen, eine funktionierende Firma, vom Bleistift bis zu den Autos für den Vertriebs- und Serviceaußendienst. Es war ein enormes Risiko und doch haben Bernd Schweitzer, Dr. Hiltrud Thiem, langjährige Kollegin in der Geschäftsführung, und Wolfgang Eggerl nie gezweifelt. Sie alle waren davon überzeugt, dass die Idee und die Aussichten erfolgreich sein würden.
Ihre Überzeugung hat das Unternehmen getragen.
Auch in Momenten, in denen andere den Kopf geschüttelt haben. Zehn Millionen Euro investieren in ein neues Firmengebäude, mitten in der Lehman-Krise, als die Wirtschaft im freien Fall war. Verrückt sagten viele. Heute lässt sich sagen: mutig, aber folgerichtig. Auch wenn es gar nicht so sehr um Mut ging, sondern um Entscheidungen, die im jeweiligen Moment richtig erschienen. Und – wie sich gezeigt hat – auch richtig waren.
Momente, in denen alles hinschmeißen eine Option gewesen wäre, gab es nicht. Die Geschäftsidee war schnell erfolgreich. Vor allem aber war da die Verantwortung für die Menschen. Wer mitgeht, dem schuldet man Verlässlichkeit.
Zwischen Privatleben und Unternehmen gab es keine große Trennlinie. Die Schweitzer-Chemie gehörte einfach dazu zum Leben und war immer dabei. Vierundzwanzig Stunden am Tag. Auch im Urlaub. Auch am Wochenende. Die Kinder sind mit der Firma groß geworden, die Familien ebenso. Aber es hat funktioniert. Arbeit und Leben wurden nicht gegeneinander ausgespielt, sondern miteinander verwoben.
Nach fünf Jahren schuldenfrei zu sein, war ein erster großer Glücksmoment. Verbunden mit einem unvergesslichen Ausflug nach Hamburg. Hafengeburtstag, Windjammer, Criminal-Dinner mit standesgemäßer „Wasserleiche“, alles mit der gesamten Mannschaft. Ein Moment, in dem klar wurde: Das hier ist mehr als ein Unternehmen. Es ist eine Gemeinschaft, die auf denselben Werten beruht
Es geht um Identität und Charakter.
Fragt man nach der Seele der Schweitzer-Chemie, geht es dann auch nicht ums Image. Es geht um Identität und Charakter. Um eine Grundhaltung, die sich im täglichen Handeln zeigt. Jeder Einzelne im Unternehmen ist ein Spiegel dieser Seele. Die dahinterstehenden Werte waren und sind Gerüst und Orientierung zugleich. Nicht als Bremse, sondern als Voraussetzung für das stetige Wachstum, das das Unternehmen auszeichnet. Überzeugungen lassen sich nicht verhandeln, sagt Bernd Schweitzer
Heute, fünfundzwanzig Jahre später, fühlt sich die Übergabe des Lebenswerks gut an. Sehr gut sogar. Weil sie positiv gestaltet wurde. Weil Strukturen geschaffen wurden, die tragen. Weil über Jahre hinweg vorbereitet wurde, was jetzt selbstverständlich wirkt. Übergeben wird nicht ins Ungewisse, sondern an eine funktionierende Einheit mit zwei Geschäftsführenden, die sich lange vorbereitet haben und genau wissen, wo sie mit der Schweitzer-Chemie hinwollen.
Dass sich das Unternehmen verändern wird, ist nicht nur akzeptiert, sondern gewollt. Stillstand war nie Teil des Erfolgsrezepts. Bestehendes immer wieder infrage zu stellen, gehört zur DNA. Deshalb ist es gut, dass Dinge sich ändern. Der Geist, die Haltung, die Werte bleiben. Alles andere darf sich bewegen.
Auch Regeln positiv zu brechen, gehörte immer dazu. Nicht aus Lust am Regelbruch, sondern aus Pragmatismus, um Spielräume zu nutzen und Dinge einfach zu machen. Lieber gebremst werden als geschoben, sagt Wolfgang Eggerl und findet damit passende Worte für die Grundstimmung im Unternehmen.
Was kommt für die beiden nach der Schweitzer-Chemie? Die Antwort ist noch kein Plan, sondern ein Bild: Das weiße Blatt Papier. Denn die Neugier ist geblieben, die Interessen sind es auch. Der erste Montag danach wird für Bernd Schweitzer aber erst einmal mit einem Frühstück in Südtirol beginnen, mit der ganzen Familie und ohne E-Mails oder Nachrichten. Einfach im Moment sein und genießen.
Bernd Schweitzer und Wolfgang Eggerl waren nicht nur Geschäftspartner, sondern sind auch Freunde. Unterschiedlich im Charakter, gleich in den Werten. Seit jeher passt kein Blatt Papier zwischen die beiden. Aus dieser Verbindung entstand etwas, das größer war als ihre Zusammenarbeit: eine Art des Miteinanders, die sich im Unternehmen etabliert hat. Vertrauen als Grundlage, mit viel Klarheit in den Entscheidungen. Diese Nähe, das Vertrauen und die gegenseitige Verantwortung werden bleiben.
Und irgendwo erklingt immer noch dieses leise Surren des Faxgeräts, als Hinweis darauf, dass es manchmal die unscheinbaren Dinge sind, an denen man merkt, dass man auf dem richtigen Weg ist.
Und jetzt? Jetzt geht es natürlich weiter.