Januar 2024

Referenzprojekt Nordzucker AG - Weniger ist mehr: Bedarfsgerechte Bioziddosierung in der Zuckerproduktion

Die Nordzucker AG ist einer der weltweit führenden Zuckerproduzenten. Das Unternehmen ist in Norddeutschland verwurzelt und produziert in 21 modernen Werken in Europa und in Australien kristallinen Haushaltszucker, Würfel-, Puder-, Gelierzucker sowie eine Vielzahl weiterer Produkte für private Verbraucher und die Lebensmittelindustrie. Seit 2021 betreut die TS-Wassertechnik, ein Unternehmen der Schweitzer-Chemie, das Werk bei der Desinfektion der Kühlkreisläufe, die im Herstellungsprozess eine wichtige Rolle spielen.

Wer im Herbst auf dem Land unterwegs ist, sieht an abgeernteten Feldrändern oft aufgetürmte Berge von Zuckerrüben. Wie aus den dunkelbraunen, erdverkrusteten Knollen das glitzernd-weiße Süßungsmittel für Kaffee und Kuchen wird, zeigt ein virtueller Werksrundgang auf der Website von Nordzucker. Noch spannender ist natürlich, den Produktionsprozess live vor Ort an einem der Nordzucker-Standorte zu erleben. Das geht aber nur von September bis Januar, wenn die so genannte Kampagne läuft: Gute 120 Tage lang nach der Ernte arbeiten die Werke nonstop rund um die Uhr auf Hochtouren. 

So auch im größten Nordzucker-Betrieb in Uelzen, in dem ca. 20.000 Tonnen Zuckerrüben pro Tag verarbeitet werden. „Die Kristallisierung des Zuckers wird bei relativ niedrigen Temperaturen unter Vakuumbedingungen gefahren, um eine Karamellisierung und damit Verfärbung des Endprodukts zu verhindern. Die dafür erforderlichen Kühltürme müssen frei von Biofilm und Keimen gehalten werden, um einen sauberen, sicheren und zugleich technisch reibungslosen Betrieb zu sichern“, erklärt Produktionsmeister Axel Büttner. „Die TS-Wassertechnik kam zum richtigen Zeitpunkt auf uns zu. Wir waren gerade auf der Suche nach einer Optimierung unserer Kühlanlagendesinfektion“, so Axel Büttner. Ausschlaggebend für die Zusammenarbeit waren das Know-how und der serviceorientierte Einsatz des TS-Teams. „Wir haben gemeinsam Ideen entwickelt und eine für uns perfekte Lösung gefunden.“

Biofilm zu beseitigen ist aufwendig und teuer – besser ist, wenn er gar nicht erst entsteht 

„Durch die bedarfsgerechte Bioziddosierung wird die Keim- und Biofilmbildung weitestgehend verhindert. Die Mess- und Dosieranlage misst permanent den Chlorgehalt des Wassers im Kühlkreislauf und fügt automatisiert genau die richtige Menge hinzu, die gebraucht wird. So brauchen wir deutlich weniger Biozid.“

Hinzu kommt eine wesentliche Erleichterung bei der Reinigung der Kühltürme. „Früher mussten wir die Kühltürme nach der Kampagne komplett auseinandernehmen, alle Rieselgitter entnehmen und mühsam säubern. Jetzt ist das nicht mehr nötig. Wir können die Rieselgitter chemisch reinigen. Insgesamt reduzieren wir mit dem System den Einsatz von Hilfsstoffen, Kosten für die Reinigung und den Einsatz von Energie“, freut sich Axel Büttner.

Der Effekt ist nicht nur eine erhebliche Kosteneinsparung. „Natürlich wollen wir effizient und wirtschaftlich arbeiten, aber auf keinen Fall auf Kosten der Wasserhygiene. Durch die lückenlose Überwachung des Systems können wir zu jedem Zeitpunkt sicher sein, dass wir keine belastenden Keime in die Umwelt entlassen.“ 

 

Wie der Zucker von der Rübe in die Tüte kommt 
Die Zuckerrüben werden gewaschen und zerkleinert. In Extraktionsanlagen wird der enthaltene Zucker mit heißem Wasser herausgelöst, so entsteht der Rohsaft. Reststoffe werden durch Kalkmilch gebunden und abgefiltert. Übrig bleibt der hellgelbe Dünnsaft. Durch Verdampfung wird so lange Wasser entzogen, bis er zum zähflüssigen, goldbraunen Dicksaft eindickt. Die Kristallisation wird durch die Zugabe von Impfkristallen eingeleitet und ergibt eine breiige Masse aus Kristallen und Melasse-Sirup, die durch Zentrifugieren getrennt wird. Der Zucker ist nun weiß. Löst man ihn in Wasser auf und lässt ihn nochmals kristallisieren, gewinnt man die besonders reine, hochwertige und lange haltbare Raffinade.

Gut zu wissen: Die Zuckerrübe wird zu 100 Prozent verwertet. Anfallende Nebenprodukte werden unter anderem als Dünger und Futtermittel in der Landwirtschaft, für Biokunststoffe, zur industriellen Hefeproduktion oder für die Biogas-Gewinnung verwendet. 

 

Eine süße Geschichte 
Nachdem der Chemiker Andreas Sigismund Marggraf 1747 den Zuckergehalt der Runkelrübe entdeckte, wurden schon bald Verfahren zur Gewinnung des begehrten Energiespenders entwickelt. Man war nun nicht mehr auf Rohrzuckerimporte angewiesen. Durch Züchtungsfortschritte und die Optimierung der industriellen Herstellung wurde aus dem einstigen Luxusgut für wenige ein Lebensmittel, das sich alle leisten können. Heute stammen 20 Prozent der weltweiten Zuckerproduktion aus Zuckerrüben. 

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