Januar 2022

Anwendungen

Unser großartiges Gartenteam: Die Theo-Lorch Werkstätten gGmbH

Zwölfmal im Jahr kommt die Gartenwerkstatt der Theo-Lorch-Werkstätten zu unserer Zentrale in Freiberg, Benzstraße 12. Die vier bis sechs Menschen mit Behinderung bringen nicht nur allerhand Garten-Werkzeug mit, sondern auch viel Motivation und große Freude am Arbeiten in der Natur.

Hainbuchen-, Buchen- und Eibenhecken. Stauden und Gräserbeete mit Sonnenhut, Rutenhirse und Anemonen. Alles wächst um die Zentrale der Schweitzer-Chemie – auf einem 5 800 Quadratmeter großen Grundstück. Und das will gepflegt werden. Dafür hat seit 2011 das Gartenteam der Theo-Lorch-Werkstätten den Auftrag. „Wir beginnen unsere Pflegegänge normalerweise im Februar bis März“, sagt Christian Janssen. „Wir schneiden die Stauden- und Gräserbepflanzung zurück, dann mähen wir den Rasen, schneiden Hecken, entfernen Fremdbewuchs und im Herbst entfernen wir auch das Laub“. Der Gärtner leitet das Team auch vor Ort an und stellt fest: „Wir freuen uns immer auf das Arbeiten in der Natur und sind sehr motiviert.“

Vom Projekt zum Erfolgsmodell

Die Gartenwerkstatt der Theo-Lorch-Werkstätten startete 2010 als Projekt. Damals gab es bereits die Malerwerkstatt, die sich bewährt hatte. „Menschen mit Behinderung können sehr viel, wenn die Arbeitsschritte so aufbereitet sind, dass sie es nachvollziehen können“, sagt Isabell D. Brando, die den Fachbereich Kommunikation leitet. Dabei betont sie, dass es keine zwei gleichen Menschen gebe und jeder seine eigenen Stärken habe.

Für fast 850 Menschen mit Behinderung bieten die Theo-Lorch-Werkstätten heute Arbeit und Teilhabe am Arbeitsleben – so der Kernauftrag der gemeinnützigen GmbH. „Und wir beschäftigen auch noch 250 Menschen, die glauben, dass sie keine Behinderung haben“, ergänzt Brando mit einem Augenwinkern. Das originelle Zitat stammt von der inklusiven Ludwigsburger „Brenz Band“.

Neuankömmlinge beginnen im Berufsbildungsbereich und absolvieren eine zweijährige Grundausbildung. Danach bieten sich – je nach Interesse und Stärken – verschiedene Tätigkeiten an: innerhalb der eigenen Werkstätten, in Dienstleistungsteams oder betriebsintegriert in Unternehmen. Die meisten Menschen haben eine geistige Behinderung, bei manchen ist sie auch psychischer Art.

„Die Beschäftigten der Gartenwerkstatt sind gerne unterwegs und leisten viel. Dazu arbeiten sie genau und sind sicher im Umgang mit allen Werkzeugen“, erklärt Isabell D. Brando. „Unsere Gartenwerkstatt ist inzwischen ein Erfolgsmodell, dabei bieten wir marktübliche Preise an.“

Die Arbeit ist abwechslungsreich

Marc Reutter (28), seit 2014 im Arbeitsbereich Gartenwerkstatt

Marc Reutter ist regelmäßig beim Pflegen bei der Schweitzer-Chemie dabei; er kommt sehr gerne, damit er unterwegs sein kann, außerdem ist die Arbeit abwechslungsreich. Besondere Freude macht ihm das Arbeiten mit dem Rasentrimmer. Er fühlt sich fit und empfindet seine Einschränkungen nur als geringfügig. Im Bereich Garten- und Landschaftsbau möchte er sich weiterentwickeln – mit Arbeiten wie Mauerbau und Pflastern.

„Wir alle kommen gerne zur Schweitzer Chemie“

Christian Janssen (42), Teamleiter Gartenwerkstatt

„Unsere Ansprechpartner und Ansprechpartnerinnen begegnen uns stets freundlich, wertschätzend und auf Augenhöhe. Hin und wieder gibt es noch Zeit, sich mal zum Beispiel mit Herrn Eggerl auf dem Parkplatz auszutauschen. Ich kann, glaube ich, behaupten, dass wir alle gerne zur Schweitzer Chemie kommen.“

„Jeder weiß, was er zu tun hat“

Silvia Segl, Organisation, Schweitzer-Chemie GmbH

„Am Anfang bespreche ich mit Herrn Janssen immer, was so ansteht – seine Mitarbeiter*Innen sind dabei schon am Arbeiten. Es ist ein ruhiges Miteinander-Arbeiten und ich habe den Eindruck, jeder weiß, was er zu tun hat. Wir sind sehr zufrieden mit der Arbeit der Theo-Lorch-Werkstätten.“

Kurz und knapp: 

Theo-Lorch-Werkstätten, gemeinnützige GmbH

Gegründet: 1969 auf der Karlshöhe in Ludwigsburg als Werkstatt für Behinderte in Ludwigsburg e.V.“, 2005 Umbenennung

Hintergrund: 1960-er Jahre – nach Einführung der allgemeinen Schulpflicht für Menschen mit Behinderung suchten Angehörige neue Perspektiven nach der Schulzeit; deutschlandweit entstanden Werkstätten für Menschen mit Behinderung.

Initiative: Kurt Kuntz, Vorsitzender der Lebenshilfe Ludwigsburg (Selbsthilfevereinigung für Menschen mit geistiger Behinderung und ihre Familien) schlug Theo Lorch, dem theologischen Leiter der diakonischen Einrichtung Karlshöhe, die Gründung vor.

Menschen: Knapp 1100 an vier Standorten: Ludwigsburg, Bietigheim, Bottwartal, Reha-Werkstatt Ludwigsburg

Zertifizierungen: nach DIN EN ISO 9001 und MAAS-BGW (Arbeitsschutz)

 

 

Text:
„Unser großartiges Gartenteam“, Infoquelle 12/2021
Text plus Konzept
Ursula Thomas-Stein
www.textpluskonzept.com